Der Räucherkönig

 

 

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Der Räucherkönig von Prerow

Text: Dagmar Rosenfeld, AKTIV-Wirtschaftszeitung, 7. November 1998

Ein ehemaliger Fischer erfüllte sich seinen Lebenstraum

Wenn über dem Hafen in Prerow an der mecklenburg- vorpommerschen Küste langsam die Sonne aufgeht und die ersten Möwen verschlafen ihre Hälse recken, dann laufen in der Fischräucherei der Familie Rennhack die Öfen schon auf Hochtouren. Vom Aal bis zum Rotbarsch tummelt sich alles, was die Ostsee zu bieten hat, in Rennhack Räucheröfen.

"Eine eigene Räucherei war mein Lebenstraum. Mit Hilfe meiner Familie habe ich ihn mir erfüllt", erzählt Fischexperte Bernfried Rennhack, und ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht.

Rennhack musste lange warten, bis dieser Traum Wirklichkeit werden konnte. Zu DDR-Zeiten war an den Schritt in die Selbständigkeit nicht zu denken, denn Unternehmergeist war in der Planwirtschaft nicht gefragt.

Garage umfunktioniert

So wurden Rennhack Versuche, ein Gewerbe anzumelden, von den Behörden immer wieder im Keim erstickt. Trotzdem ließ der Seemann, der als Leichtmatrose und später als Arbeiter bei der Fischerei-Genossenschaft den Lebensunterhalt für seine siebenköpfige Familie verdiente, das Träumen nicht: "Ich war mir sicher - irgendwann würde ich meinen Räucherbetrieb aufbauen können."

Rennhack sollte recht behalten. Nach dem Mauerfall wurde sein Gewerbeantrag sofort genehmigt. Gegen eine Gebühr von 54 Ost-Mark durfte er endlich den heißersehnten Schein in Empfang nehmen.

Der "Jungunternehmer", der die Fünfzig bereits überschritten hatte, vollbrachte zusammen mit seiner Frau ein kleines Wunder. Innerhalb von acht Monaten wurde die Rennhacksche Garage zu einer Fischräucherei mit angeschlossenem Ladenlokal umfunktioniert.

"Wir haben den Trabi ausquartiert; eine Verkaufstheke eingebaut, und mein Mann hat aus Backstein die Räucheröfen gezimmert", erinnert sich Gertrud Rennhack. "Denn für Handwerker und eine teure Einrichtung fehlte uns das Geld."

Der neu eröffnete Fischladen schlug in Prerow vom ersten Tag an ein. Hatte man unter Honnecker gezwungenermaßen für manche Lebensmittel Schlange gestanden, so stellte man sich nun freiwillig für Rennhacks Räucherfisch an. Den Verkauf schmiss Frau Rennhack ganz allein, während ihr Mann in der Räucherstube den Fischen einheizte.

Mit zehn Angestellten

"Für uns hat der Tag zehn Stunden zu wenig, so gab es zu tun", berichtet die geschäftstüchtige Gertrud Rennhack. Jeden Morgen trat sie in aller Hergottsfrühe die einstündige Fahrt nach Rostock an, um auf dem Großmarkt fangfrischen Fisch einzukaufen. Von morgens um sieben stand sie dann bis Sonnenuntergang hinter der Ladentheke.

Das Geschäft in Prerow war erst der Anfang. In nur drei Jahren eröffnete das Ehepaar zwei weitere Fischläden in Barth. Doch damit nicht genug: 1995 erwarben sie einen kleinen Pavillon am Hafen, wo sie nun ebenfalls ihren berühmten Fisch verkauften. Heute beschäftigt das erfolgreiche Unternehmerduo zehn Angestellte.

Söhne und Tochter ziehen nach

Der Geschäftssinn scheint den Rennhacks im Blut zu liegen. Seit Anfang der 90-iger Jahre ist Sohn Kai Mitinhaber der Gaststätte "Binnen und Buten". 1995 wagte Sohn Jörg, der maßgeblich auch den Aufbau der Räucherei mit unterstütze,  den Sprung in die Gastronomie: In seinem gemütlichen Restaurant lassen sich die Gäste die Produkte aus Vaters Räucherei schmecken. 

Anett, die jüngste Tochter der Familie, steht ihrem Bruder in nichts nach: 1998 öffnete unter ihrer Leitung die "Residenz Rennhack" - ein schmuckes Hotel, direkt am Deich des malerischen Sandstrandes gelegen.

Auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolges weiß der Räucherkönig von Prerow eine einfache Antwort: "Immer am Ball bleiben und mit Herz und Seele bei der Sache sein." Augenzwinkerns fügt er noch hinzu: "Und eine Frau wie meine Gertrud."

 

 

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Stand: 06. Juni 2007