Wenn über dem Hafen
in Prerow an der mecklenburg-
vorpommerschen Küste langsam die Sonne
aufgeht und die ersten Möwen verschlafen ihre Hälse recken, dann
laufen in der Fischräucherei der Familie Rennhack die Öfen schon auf
Hochtouren. Vom Aal bis zum Rotbarsch tummelt sich alles, was die Ostsee
zu bieten hat, in Rennhack Räucheröfen.
"Eine eigene Räucherei war mein Lebenstraum. Mit Hilfe meiner
Familie habe ich ihn mir erfüllt", erzählt Fischexperte Bernfried
Rennhack, und ein zufriedenes Lächeln huscht über sein Gesicht.
Rennhack musste lange warten, bis dieser Traum Wirklichkeit werden
konnte. Zu DDR-Zeiten war an den Schritt in die Selbständigkeit nicht
zu denken, denn Unternehmergeist war in der Planwirtschaft nicht
gefragt.
Garage umfunktioniert
So wurden Rennhack Versuche, ein Gewerbe anzumelden, von den
Behörden immer wieder im Keim erstickt. Trotzdem ließ der Seemann, der
als Leichtmatrose und später als Arbeiter bei der
Fischerei-Genossenschaft den Lebensunterhalt für seine siebenköpfige
Familie verdiente, das Träumen nicht: "Ich war mir sicher -
irgendwann würde ich meinen Räucherbetrieb aufbauen können."
Rennhack sollte recht behalten. Nach dem Mauerfall wurde sein
Gewerbeantrag sofort genehmigt. Gegen eine Gebühr von 54 Ost-Mark
durfte er endlich den heißersehnten Schein in Empfang nehmen.
Der "Jungunternehmer", der die Fünfzig bereits
überschritten hatte, vollbrachte zusammen mit seiner Frau ein kleines
Wunder. Innerhalb von acht Monaten wurde die Rennhacksche Garage zu
einer Fischräucherei mit angeschlossenem Ladenlokal umfunktioniert.
"Wir haben den Trabi ausquartiert; eine Verkaufstheke eingebaut,
und mein Mann hat aus Backstein die Räucheröfen gezimmert",
erinnert sich Gertrud Rennhack. "Denn für Handwerker und eine
teure Einrichtung fehlte uns das Geld."
Der neu eröffnete Fischladen schlug in Prerow vom ersten Tag an ein.
Hatte man unter Honnecker gezwungenermaßen für manche Lebensmittel
Schlange gestanden, so stellte man sich nun freiwillig für Rennhacks
Räucherfisch an. Den Verkauf schmiss Frau Rennhack ganz allein,
während ihr Mann in der Räucherstube den Fischen einheizte.
Mit zehn Angestellten
"Für uns hat der Tag zehn Stunden zu wenig, so gab es zu
tun", berichtet die geschäftstüchtige Gertrud Rennhack. Jeden
Morgen trat sie in aller Hergottsfrühe die einstündige Fahrt nach
Rostock an, um auf dem Großmarkt fangfrischen Fisch einzukaufen. Von
morgens um sieben stand sie dann bis Sonnenuntergang hinter der
Ladentheke.
Das Geschäft in Prerow war erst der Anfang. In nur drei Jahren
eröffnete das Ehepaar zwei weitere Fischläden in Barth. Doch damit
nicht genug: 1995 erwarben sie einen kleinen Pavillon am Hafen, wo sie
nun ebenfalls ihren berühmten Fisch verkauften. Heute beschäftigt das
erfolgreiche Unternehmerduo zehn Angestellte.
Söhne und Tochter ziehen nach
Der Geschäftssinn scheint den Rennhacks im Blut zu liegen. Seit
Anfang der 90-iger Jahre ist Sohn Kai Mitinhaber der Gaststätte "Binnen
und Buten". 1995
wagte Sohn Jörg, der maßgeblich auch den Aufbau der Räucherei mit
unterstütze, den Sprung in die Gastronomie: In seinem
gemütlichen Restaurant lassen sich die Gäste die Produkte aus Vaters
Räucherei schmecken.
Anett, die jüngste Tochter der Familie, steht ihrem Bruder in nichts
nach: 1998 öffnete unter ihrer Leitung die "Residenz
Rennhack" - ein schmuckes Hotel, direkt am Deich des
malerischen Sandstrandes gelegen.
Auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolges weiß der
Räucherkönig von Prerow eine einfache Antwort: "Immer am Ball
bleiben und mit Herz und Seele bei der Sache sein." Augenzwinkerns
fügt er noch hinzu: "Und eine Frau wie meine Gertrud." |